30. Internationale Konferenz der St. Petersburger Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften

Vom 23. – 27.11.2009 fand in St. Petersburg die Tagung „285. Jahrestag der Gründung der Russischen Akademie der Wissenschaften“ statt

Unsere Vorsitzende, Dr. Elisabeth Hintzsche, sowie Dr. Wieland Hintzsche, nahmen an der Tagung teil. Sie stellten die Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft vor.

Herr Dr. Hintzsche nahm die Tagung zum Anlass, drei in 2009 im Rahmen der Reihe „Quellen zur Geschichte Sibiriens und Alaskas aus Russischen Archiven“ der Franckeschen Stiftungen zu Halle neu erschienene Bücher vorzustellen:

 

Band VI
Vtoraia Kamchatskaia ekspeditsiia. Dokumenty 1734-1736. Morskie otriady: Sbornik dokumentov / Sost. N. Okhotina-Lind, P. Ulf Meller, Sankt Petersburg 2009, 933 S., ab 26 EUR
ISBN: 978-59818-7315-7

Band VII
Georg Wilhelm Steller / Johann Eberhard Fischer: Reisetagebücher 1738 bis 1745
Bearb. von Wieland Hintzsche unter Mitarbeit von Heike Heklau. Halle 2009. 601 S., 1 Karte, 54,00 Euro
ISBN 978-3-939922-12-4

Band VIII,1
Gerhard Friedrich Müller: Beschreibung Sibirischer Völker
herausgegeben von Alexandr Chr. Elert und Wieland Hintzsche, Moskau 2009, 456 S., ab 434 Rub.
ISBN: 978-5-88451-258-0


Ein Franke entdeckt Alaska

Anlässlich seines 300. Geburtstags sendete am 30.11.2009, 22.30 – 23.15 Uhr, der BR eine Dokumentation über das abenteuerliche Leben Georg Wilhelm Stellers.

Dokumentation von Peter Prestel und Rudolf Sporrer, 2009

Als Schiffbrüchiger überlebte er den grausamen Polarwinter auf einer der einsamsten und unwirtlichsten Inseln der Welt. – Angeklagt als Verschwörer und Anstifter eines Aufstandes der ostsibirischen Völker gegen die Herrschaft des Zaren, entging er nur um Haaresbreite dem Henker. Als mittelloser Wundchirurg schloss er sich einem russischen Heer an und macht in St. Petersburg Karriere. Als erster und einziger Wissenschaftler beschrieb er eine später nach ihm benannte und heute ausgestorbene Seekuh. Als Schiffsarzt war er dabei, als der „Kolumbus des Zaren“ Vitus Bering 1741 Alaska entdeckte.

Die Rede ist von dem 1709 geborenen Georg Wilhelm Steller aus Windsheim. 2009 begeht die Stadt den 300. Geburtstag des ins Pantheon der internationalen Wissenschaft aufgestiegenen bayerischen Abenteuers und Universalgelehrten.

An Originalschauplätzen, anhand von Originaldokumenten und Berichten von Zeitgenossen wird in dieser Dokumentation das abenteuerliche Leben Stellers nacherzählt. Eine filmische Spurensuche mit großartigen Landschaften und einprägsamen Episoden lässt die Zeit der Entdeckungen aufleben, als Wissenschaftler Geschichte schrieben.


Deutsch-Russische Begegnungen 2009 (1)

Jubiläumstagung zum 300. Geburtstag Georg Wilhelm Stellers

20 Wissenschaftler aus Russland, den USA und Deutschland werden vom 22-25. Oktober zu den „Deutsch-Russischen Begegnungen 2009“ in den Franckeschen Stiftungen zusammen kommen. Die 15. Tagung in der Reihe findet im Jubiläumsjahr des Sibirienforscher Georg Wilhelm Steller (1709-1746) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung und der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V. statt. Ehrengast ist der heute 85jährige Dr. Peter Hoffmann, der aufbauend auf der Etablierung Halles als Ausgangspunkt der deutschen Russlandkunde durch Eduard Winter (1896-1982) maßgeblich zur Erforschung der deutsch-russischen Beziehungen im 18. Jahrhundert beitrug. Zu den Gästen zählen neben Dr. Margritt Engel aus Anchorage/USA, der Übersetzerin Stellers in Englische, auch die Direktorin des Lomonossow-Museums in St. Petersburg/Russland, Prof. Dr. Irina V. Tunkina sowie Dr. Aleksandr Elert aus Nowosibirsk, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Seit 1994 veranstalten die Franckeschen Stiftungen jährlich unter dem Titel „Deutsch-Russische Begegnungen“ Tagungen zu Themen der deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen im 18. Jahrhundert, vor allem zur Erforschung Sibiriens. Dazu werden russische Wissenschaftler – Historiker, Ethnologen, Biologen – aber auch Fachkollegen aus anderen Ländern und Deutschland eingeladen. Die Tagung schließt einen öffentlichen Abendvortrag und eine Exkursion zu einem Ort mit wissenschaftshistorischer Bedeutung für die russisch-deutschen Beziehungen ein. Im Jahr 2009 wird das Ziel dieser Exkursion die Geburtsstadt Stellers, Bad Windsheim, sein. Die Tagung 2009 ist dem 300. Geburtstag des Arztes und Sibirienforschers Georg Wilhelm Steller gewidmet und erfolgt in Koordination mit weiteren Tagungen in Sankt Petersburg und Tjumen‘.

Öffentlicher Vortrag:
Donnerstag, 22. Oktober 2009, 18.00 Uhr
Beringia – Klima und Landschaftsformung am Polarkreis
Prof. Dr. Manfred Reichstein (Halle)
Englisches Haus, Haus 26


Deutsch-Russiche Begegnungen 2009 (2)

Bei dem Ausflug zu Steller´s Geburtsort in Bad Windsheim besuchten wir u.a. den dort ansässigen Künstler Gerhard Rießbeck.

Er hat ein Faible für Pfade, die neu begangen und Länder, die neu entdeckt werden wollen. Zuletzt war der Maler auf der ostsibirischen Halbinsel Kamtschatka unterwegs, wo er auf den Spuren Georg Wilhelm Stellers wandelte. Der Bad Windsheimer Forscher hatte Kamtschatka bereits im 18. Jahrhundert bereist.

Rund 20 großformatige Bilder Rießbecks aus Ostsibirien waren in Bad Windsheim zu sehen. Sie zeigen vor allem die von Vulkanen dominierte Landschaft, aber auch fiktive Porträts von Steller, von dem kein authentisches Abbild existiert, sowie dessen populärstes Forschungsobjekt, die Riesenseekuh. Kurz nachdem sich Steller ihr gewidmet hatte, war das unförmige Tier ausgerottet.


Steller-Podium

Unser Mitglied Werner P. Binder, Journalist aus Bad Windsheim, hat einen ersten Bericht für die Presse vorbereitet:

BAD WINDSHEIM (wpb) – Steller macht’s möglich: Am kommenden Wochenende ist Bad Windsheim Ziel einer Gruppe hochkarätiger Wissenschaftler. Die Besucher aus fünf Nationen reisen am Samstag, 24. Oktober, aus Halle an, wo sie ab Donnerstag an den dort alljährlich stattfindenden deutsch-russischen Begegnungen teilnehmen. Thema 2009: „Wissenschaftlicher Kontext der Sibirienforschung zu Zeiten von G.W. Steller und J. G. Gmelin“.

Die Exkursion zum Geburtsort Stellers ist Abschluss und Höhepunkt der interdisziplinären Tagung und eine Reverenz an den großen Sohn der Stadt, dessen 300. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. In Windsheim können sich die Gäste nach ihrer Ankunft am Samstagnachmittag auf die Spuren des jungen Steller begeben. Allein der Dr.- Martin-Luther-Platz hinter dem Rathaus bietet mit der Stadtpfarrkirche, der gegenüber liegenden alten Lateinschule und dem ehemaligen Rektorenhaus drei historische Stätten, die das frühe Leben des Kan-torensohnes maßgeblich bestimmt haben.

Bernd Uhlmann, als ehemaliger Windsheimer Kantor einer der Amtsnachfolger von Stellers Vater, spielt für die Gäste auf der Orgel der Kilianikirche Musik aus dem frühen 18. Jahrhundert und lässt sie damit auch akustisch eintauchen in jene Zeit. Was Steller der Welt heute bedeutet, soll danach eine öffentliche Veranstaltung ab 18.30 Uhr in dem nach ihm benannten Gymnasium seiner Heimatstadt aufzeigen.

Die internationalen Experten auf dem Podium werden dabei ihre ganz persönliche Beziehung zu dem Phänomen Steller darlegen und auf Fragen aus dem Pub-likum eingehen. Als Moderatoren fungieren Gymnasiallehrer Ulrich Herz und die Vorsitzende der Internationalen Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft Halle, Dr. Anna-Elisabeth Hintzsche. Sie hatte sich mit beharrlichem Engagement für das Zustandekommen dieser Exkursion eingesetzt

Zuvor haben die Tagungsteilnehmer in Halle ein umfangreiches Programm mit 20 Fachvorträgen zu absolvieren. Nicht wenige davon befassen sich direkt oder indirekt mit der Person Stellers und dem wissenschaftlichen Ertrag seiner For-schungsarbeit während seiner Teilnahme an der zweiten Kamtschatkaexpedition. Die Referenten, darunter Vertreter des in Halle ansässigen Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschungen, der russischen Akademie der Wissenschaften St. Petersburg, Akademikern aus Char’kov (Ukraine), Tjumen‘ (dem westsibirischen Todesort Stellers) und Anchorage (Alaska), sind ausgewiesene Fachleute. Die Vielfalt ihrer Disziplinen von Geographie, Geologie über Völkerkunde, Botanik bis hin zu Kultur- und Sprachwissenschaften macht das weite Feld der Forschungen sichtbar, mit dem Steller verknüpft ist.

Dabei ist noch längst nicht alles ans Tageslicht befördert, was das fränkische Multitalent in seinem kurzen Leben aufgezeichnet hat. „Da ist Stoff für mindes-tens fünf weitere Bücher“, sagt Dr. Wieland Hintzsche. Der Mitorganisator der hauptsächlich von den Franckeschen Stiftungen in Halle ausgerichteten deutsch-russischen Begegnungen bearbeitet seit Jahren „Quellen zur Geschichte Sibiriens und Alaskas aus russischen Archiven“. Im Gepäck hat er diesmal den soeben erschienenen Band VII der Reihe: „Georg Wilhelm Steller – Johann Eberhard Fischer – Reisetagebücher 1738 bis 1745“.

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Steller-Gedenkstein in Tjumen‘

In der west-sibirischen Stadt Tjumen‘ ist seit Neuestem ein Gedenkstein für den deutschen Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller zu besichtigen. Die Initiative hierfür ging von einheimischen Gruppen aus, bei denen der deutsche Forscher wegen seines Engagements für den Ural und Sibirien in hohem Andenken steht.

Die Stadt Tjumen‘ hat für das Denkmal zu Ehren des deutschen Forschers großzügig einen repräsentativen Platz zur Verfügung gestellt. Generalkonsulin Dr. Renate Schimkoreit weihte das Denkmal am 14. September 2009 ein.

Georg Steller wurde 1709 in Franken geboren und studierte in Leipzig, Jena und Halle Medizin und Naturwissenschaften. Schon während seines Studiums entwickelte Steller sein wissenschaftliches Interesse an der Erforschung des sibirischen Raums. Als Wundchirurg der russischen Armee erreichte er 1734 die damalige russische Hauptstadt St. Petersburg.

Als Teilnehmer an Expeditionen nach Alaska und Kamtschatka – auch an der Zweiten Kamtschatka-Expedition, die vom dänischen Kapitän Vitus Bering geleitet wurde – führte er umfangreiche Feldstudien in Botanik, Zoologie, Geologie und Ethnologie durch. Die Ergebnisse seiner Forschungen waren sowohl qualitativ als auch quantitativ beeindruckend. Allerdings blieb ihm nicht viel Zeit, all das zu verwirklichen, was er sich vorgenommen hatte.

Georg Steller wurde nur 37 Jahre alt. Geschwächt von den Strapazen des sibirischen Winters verstarb er am 12. November 1746 in Tjumen‘.


Video aus Tjumen‘ anlässlich der Einweihung eines Steller-Gedächstnissteins

YOUTUBE vom 13.09.2009.


Steller-Wanderung am 26. September 2009

Die nächste „Steller-Wanderung“ findet am Sonnabend, den 26. September 2009 im Stadtgebiet von Halle statt. Es soll sowohl den heimischen Pflanzen an Straßen- und Wegrändern als auch den Kulturpflanzen in Parks und Gärten Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Treffpunkt: 26.09.2009, um 10 Uhr in der Fischer-von-Erlach-Str. 90


Vortrag am 6. Oktober 2009


Neuer Band der Serie „Quellen zur Geschichte Sibiriens und Alaskas aus russischen Archiven“

Band VII
Georg Wilhelm Steller & Johann Eberhard Fischer – Reisetagebücher 1738 bis 1745
bearb. von W. Hintzsche unter Mitarbeit von H. Heklau. Halle: Verlag der Franckeschen Stiftungen, 2009, XLI, 601 S., 1 Karte, ISBN: 978-3-939922-12-4

Quellen zur Geschichte Sibiriens und Alaskas aus russischen Archiven
Herausgegeben von
Wieland Hintzsche (Halle)
in Zusammenarbeit mit
Dittmar Dahlmann (Bonn), Aleksandr Ch. Elert (Novosibirsk)
Peter U. Møller (Kopenhagen), Thomas Müller-Bahlke (Halle)
Thomas Nickol (Göttingen), Olga V. Novochatko (Moskau)
Nikolaj N. Pokrovskij (Novosibirsk), Paul Raabe (Wolfenbüttel)
Ortrun Riha (Leipzig), Vladimir S. Sobolev (St. Petersburg)
Irina V. Tunkina (St. Petersburg)


Neues Sibirienbuch

Sibirien: Vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Gebundene Ausgabe)
von Dittmar Dahlmann

Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2009.
438 S.
ISBN 3-506-71361-2, 978-3-506-71361-2 *Ln.
ca. EUR 38.00


Schau erregt in Russland Aufsehen

Für Aufsehen in St. Petersburg sorgt derzeit die Wanderausstellung der Franckeschen Stiftungen (Mitteldeutsche Zeitung vom 08. Mai 2009)

HALLE. Für Aufsehen in St. Petersburg sorgt derzeit die Wanderausstellung der Franckeschen Stiftungen. Die Schau im deutschen Kulturzentrum am Newskij Prospekt knüpft an die große Russland-Tradition der Stiftungen an, die bis auf Francke zurückgeht. Missionare aus Halle, der der Stiftungsvater ausgesandt hat, waren einst am Aufbau ds russischen Bildungssystems beteiligt und bauten – etwa in Sibirien – Waisenhäuser nach halleschem Vorbild auf. Noch heute wird der hallesche Sibirien-Pionier Georg Wilhelm Steller in Russland verehrt. Bei der Eröffnung der Schau konnte Stiftungs-Chef Dr. Thomas Müller-Bahlke wichtige Kontakte knüpfen – etwa mit dem Bischof der Evangelkisch-lutherischen Kirche Russlands sowie Diplomaten und Forschern. Nach seiner Unterschrift unter den Kooperationsvertrag mit dem Archiv der Russischen Akademie der Wissenschaften lann eine lange Zusammenarbeit nun noch weiter ausgebaut werden.


Homepage der Stadt Bad Windsheim zum Steller-Jahr 2009

Die Stadt Bad Windsheim teilte uns zwischenzeitlich mit, dass sie eine eigene Homepage anlässlich des 300. Steller-Geburtstages eingerichtet hat.


Homepage des Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium Bad Windsheim zum Steller-Jahr 2009

Das Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium Bad Windsheim würdigt den 300. Geburtstag Geburtstag Georg-Wilhelm-Stellers. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Gymnasiums.


Hosentaschen-Museum

Den Kindern und Mitarbeitern des Krokoseum der Frankeschen Stiftungen ist es gelungen, eine spannende Darstellung der großen Reise der Zweiten Kamtschatka-Expedition im Hosentaschen-Museum darzustellen.

In 15 Schubkästen wurden mit verschiedenen Exponaten, zum Teil Originalspielsachen aus dem Lena-Gebiet, kindgerecht die Dimension der größten Expedition der Neuzeit gezeigt.


Ein Lutheraner in Sibirien

300. Geburtstag des Naturforschers Georg Wilhelm Steller wird mit einem Jubiläumsprogramm gefeiert

(ens) Mit einem Festjahr erinnern Franckeschen Stiftungen und die Internationale Georg-Wilhelm-Steller-Gesellschaft e.V. in diesem Jahr an den 300. Geburtstag des halleschen Arztes und Naturforschers Georg Wilhelm Steller. Geprägt von Franckes Pietismus ging Steller auf große Entdeckungsreise, nahm an Franckes 2. Kamtschatka-Expedition teil und war der erste europäische Naturforscher in Alaska. Mit Vitus Bering entdeckte er den Seeweg von Sibirien nach Alaska. Neun Jahre lang reiste er durch Russland und Sibirien und trug mit seinen Werken zu einer erstarkende Selbstwahrnehmung der indigenen Bevölkerung Sibiriens bei.

Zum Festprogramm gehören eine Vortragsreihe mit internationalen Wissenschaftler, eine Ausstellung in St. Petersburg über die Franckeschen Stiftungen. An Stellers früherem Wohnhaus am Alten Markt 5 soll eine Gedenktafeln an den Forscher erinnern. Gewürdigt werden sollen auch die zoologischen und botanischen Werke des Wissenschaftlers. So zeigt der Bergzoo ab 17. März die Ausstellung „Naturfotografien zu Ehren Georg Wilhelm Stellers“von Ullrich Wannhoff. Stellers Herbarblätter werden durch Gerhard Schwarz künstlerisch adaptiert und im Botanischen Garten ausgestellt.

Dass wir heute noch so viel über Georg Wilhelm Steller wissen, ist Dr. Wieland Hintzsche zu verdanken. 1991 bekam Hintzsche, damals an der Uni in Leipzig tätig, die Anregung aus der Zoologie in Halle, sich einmal mit dem Forscher zu beschäftigen. Es folgte 1992 die erste Reise nach Russland. Damals noch ohne große Hoffnungen, wie Hintzsche gegenüber HalleForum.de sagte. „Man dachte, seine Arbeiten wären alle verloren gegangen.“ Doch Hintzsche wurde fündig, ist seitdem zweimal jährlich in russischen Archiven zu finden, hat jede Menge Material zusammengetragen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Russland, Dänemark und Nordamerika hat er die Werke dieses Ausnahmeforschers des 18. Jahrhunderts bearbeitet. Im Verlag der Franckeschen Stiftungen erscheinen sie in der Reihe „Sibirica“ auf Deutsch und in Kooperation mit dem Archiv der Akademie der Wissenschaften St. Petersburg parallel auf Russisch. Pünktlich zum 300. Geburtstag Stellers kann Hintzsche nun einen neuen Band präsentieren.

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Enthüllung der Gedenktafel an Stellers Wohnhaus in Halle zu seinem 300. Geburtstag

(una) Am 10. März 2009 jährte sich der Geburtstag von Georg Wilhelm Steller. Aus diesem Anlass wurde am alten Markt in Halle eine Gedenktafel enthüllt. Trotz des Regen hatten sich knapp 50 Personen, darunter viele Mitglieder der Internationalen Steller-Gesellschaft, zu dieser Ehrung eingefunden. Einleitende Worte zu der feierlichen Enthüllung sprach Dr. Anna-Elisabeth Hintzsche von der Internationalen Steller-Gesellschaft. Danach sprach die Kulturreferentin der Stadt Halle Dr. Ursula Wohlfeld und Dr. Thomas Müller-Bahlke, Direktor der Frankischen Stiftungen zu Halle und Herr Breitkopf vom Arbeitskreis Innenstadt e.V. Umrahmt wurde das Ganze vom Posaunenchor Halle-Süd. Die Enthüllung erfolgte dann durch Frau Dr. Wohlfeld und der Hauseigentümerin Frau Höne. Ohne ihr Einverständnis hätte die Gedenktafel nicht angebracht werden können.

Die Tafel befindet sich am Haus Alter Markt 5. In diesem Haus hatte damals Professor Michaelis gewohnt, dessen naturwissenschaftliche Vorlesungen Steller besucht hatte. Nach seinem erfolgreichen Examen als Arzt soll er damals auch selbst Vorträge in diesem Haus gehalten haben.

Im Anschluss gab es eine Festveranstaltung in den Frankeschen Stiftungen. Die Begrüßung der fast einhundert Gäste erfolgte durch den Hausherren der Franckeschen Stiftungen Dr. Thomas Müller-Bahlke. Ihm Folgten Dr. Anna-Elisabeth Hintzsche von der Internationalen Steller-Gesellschaft und Prof. Dr. Stephan Zierz, Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Den Festvortrag hielt Dr. Peter Hoffmann aus Berlin, Thema: Ein Lutheraner in Sibirien. Inhaltlich war der Vortrag sehr interessant, eigentlich Material für ein interessantes Hörbuch. Nur die Art de Vortrages war es leider nicht. Die beim Rundblick zu beobachtenden sich senkenden Augenlieder oder abfallenden Köpfe, plötzlich hochschnellend, sprechen eine andere Sprache. Nach 40 Minuten der Festrede war auch das HalleForum wieder auf den Weg in den Regen.

Ein akustischer Leckerbissen war aber die musikalische A capella-Umrahmung durch den Studentischen Kammerchor CHORECT unter der Leitung von Alexander Lebek.

Wer war Georg Wilhelm Steller?
Er hatte, als er 1746 starb, mit 37 Jahren nicht sehr lange gelebt. Aber er war nicht nur Arzt, sondern auch einer der erfolgreichsten Botaniker und Entdecker. Steller hatte in Halle und Wittenberg Theologie und Medizin studiert. Zwischen 1731 und 1734 arbeitete er als Hilfslehrer an den Franckeschen Stiftungen in Halle. Leider ist er etwas in Vergessenheit geraten.

Windsheim bei Nürnberg war sein Geburtsort. Schon seine Geburt verlief aber anders als sonst üblich. Als er am 10. März 1709 auf die Welt kam, waren seine Augen nicht geöffnet, es wurden keine Lebenszeichen festgestellt. Er wurde für tot erklärt. Nur die Hebamme hatte die Hoffnung nicht aufgegeben und unternahm auf dem Totenbett Belebungsversuche wie wärmende Reibungen. Und ihre Mühen waren nicht umsonst, nach 20 Minuten gab es schreiende Lebenszeichen. Ein Glück für die Welt, die Hebamme wurde bisher unseres Wissens leider nicht geehrt.

Auf seinen Reisen erforschte Steller zahlreiche Völker und Tiere Sibiriens und war der erste Europäer, der Alaska betreten hatte. Er Starb 1746 an einem tödlichen Fieber im russischen Tjumen‘.

Fast drei Jahrhunderte sind vergangen, aber seine Erkundungen sind immer noch von Bedeutung. Unter anderen profitiert noch heute das Sibirienzentrum am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle die Forschung von seiner Leistung.

» siehe auch Erinnerung für die Ewigkeit


Umtost von Nordpazifik und ochotskischem Meer gilt die Halbinsel Kamtschatka am östlichen Rand Russlands als Land der Kontraste und Extreme. Heiße Quellen und schweflige Fumarolen dampfen neben mächstigen Gletschern. Riesige Braunbären und Elche streifen über erstarrte Lavaströme und durch dirchte Taigawälder. Flüsse voller Lachse mäandern vom Gebirge hinab ins Meer. Die scheinbar zeitlose Stille wird nur vom gewaltigen Grollen der Vulkaneruptionen unterbrochen. Von den 160 Vulkanen sind derzeit noch über 30 aktiv in dieser schwarzen Mondlandschaft aus Asche und Lava.

Über Jahrhunderte hinweg Verbannungsort des russischen Reiches und über Jahrzehnte streng bewachte sowjetischeMilitärbasis, ist Kamtschatka erst seit dem Zerfall der Sowjetunion Reiseziel Wagemutiger.

In diesem packenden Vortrag über alpinistische udn vulkanologische Abenteuer auf Kamtschatka zeichnet der Geophysiker, Vulkanologe und Bergsteiger Steffen Graupner von der Universität Jena ein Bild der direkt erlebbaren geologischen Urgewalten aus der Schöpfungsgeschichte unseres Planeten.


Georg Wilhelm Steller ist nicht nur der erste europäische Naturforscher, der eine Reihe von amerikanischne Pflanzen und Tieren beschrieben hat, sondern auch der erste, der – am 20. Juli 1741 – alaskanischen Boden betrat.

Die in Sachsen aufgewachsene und seit 1957 in Nordamerika wirkende Germanistin Prof. Dr. Margritt Engel hat sich lange Jahre mit Stellers Werk befasst. Unter anderem übersetzte sie seine „Beschreibung von dem Lande Kamtschatka“ ins Englische („Journal of a Voyage with Bering, 1741-1742“; „Steller’s History of Kamchatka: Collected Information Concerning the History of Kamchatka, Its Peoples, Their Manners, Names, Lifestyles, and Various“).

Vor einigen Jahren wurde sie auf das 1988 veröffentlichte literarische Erstwerk des deutschen Schriftstellers W. G. Sebald aufmerksam. In seinem Elementargedicht „Nach der Natur“ (Amazon) vereint der Autor neben der Lebensgeschichte von Mathias Grünewald sich selbst und Georg Wilhelm Steller.