Wissenschaftliche Pflanzendarstellungen zu den botanischen Arbeiten von Georg Wilhelm Steller während der Großen Nordischen Expedition (1733 – 1743)

Ausstellung unserer Gesellschaft
zu den Öffnungszeiten des Rathauses Halle (Saale), 2. Etage | 1. – 29. Juni 2018 | Midissage am 22. Juni um 15:00 Uhr mit der Beigeordneten für Kultur und Sport der Stadt Halle, Frau Dr. Marquardt

(auch Focus berichtete)

Editorial

GEORG WILHELM STELLER (1709-1746) studierte in Halle Theologie und Medizin von 1731-1734 und verdiente seinen Lebensunterhalt als Hilfslehrer in Franckes Waisenhaus. Die ausgezeichnete naturwissenschaftliche Ausbildung an der Friedrichs-Universität in Halle unter seinem Lehrer FRIEDRICH HOFFMANN (1660-1742) und die europäischen Netzwerke der Universität und von AUGUST HERRMANN FRANCKE (1663-1727) befähigten STELLER, Teilnehmer einer der größten Expeditionen aller Zeiten, der Großen Nordischen Expedition (1733-1743), mit über 3000 Teilnehmern zu werden.

Unter VITUS BERING (1680-1742), dem ‚Kolumbus des Zaren’, durchzog er den Kontinent von St. Petersburg bis Kamtschatka. Nach dem Bau zweier Schiffe und der gefährlichen Seereise war er der erste europäische Naturforscher in Alaska. Weder Vorgänger- noch Nachfolgeexpeditionen haben diese Spannweite erreicht. GEORG WILHELM STELLER verband mit seinen Forschungen Europa, Asien und Amerika.

Die wissenschaftliche Aufgabe bestand darin, alle drei Naturreiche (Erde, Tiere, Pflanzen) zu erforschen. Seine Leidenschaft galt der Botanik. Unterstützung seiner Dokumentation fand er bei den Expeditionsmalern JOHANN CHRISTIAN BERCKHAN, JOHANN CORNELIUS DECKER und JOHANN WILHELM LÜRSENIUS, deren künstlerisch und wissenschaftlich wertvolle Aquarelle wir hier vorstellen wollen.

Wie die anderen Teilnehmer der Expedition erhielten die Maler eine Instruktion für ihre Arbeit, mit deren Anfertigung GEORG GSELL (1673-1740) beauftragt wurde. Der aus St. Gallen in der Schweiz stammende GSELL war 1716 auf Anregung Peters I. nach St. Petersburg gekommen und bei der Kunstkammer als Lehrer für Zeichenkunst bzw. später als Maler bei der Akademie tätig. Begleitet wurde GSELL von seiner Ehefrau MARIA-DOROTHEA, einer Enkelin der Künstlerin und Naturforscherin MARIA SIBYLLA MERIAN (1647 1717), deren Kupferstichwerk „Metamorphosis insectorum Surinamensium“ damals das Aufsehen der Fachleute erregte.

Diese Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit unseren langjährigen Freunden in St. Petersburg vom Archiv der Russischen Akademie der Wissenschaften und vom Botanischen Komarov-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1994 gibt es in Halle jährlich die internationale, interdisziplinäre Tagung „Deutsch-Russische Begegnungen“ mit wissenschaftshistorischen Themen, die die Große Nordische Expedition beleuchten. Die Steller-Gesellschaft sieht in diesen Aktivitäten einen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen angesichts der gemeinsamen Geschichte unserer beiden Völker.

Wir danken der Stadt Halle für die Möglichkeit, wieder die Bedeutung von GEORG WILHELM STELLER und seinen Bezug zur Stadt Halle zeigen zu können.

Wir wünschen den Besuchern des Rathauses viel Freude an unserer Ausstellung.